Veröffentlichte Forschungsthemen

Seit mehr als vier Jahrzehnten forscht Eberhard Zangger auf den Gebieten der Archäologie, der Geoarchäologie und der Umweltwissenschaften. Sein Interesse gilt dabei zum Teil auch Themen, die bisher wenig untersucht oder von der institutionell etablierten Wissenschaft gänzlich ausgeklammert wurden. Dahinter steht die Überzeugung, dass Fortschritte in der Archäologie nur möglich sind, wenn traditionelle Erklärungsmodelle hinterfragt und an neue Forschungsergebnisse angepasst werden.


A | Weltanschauungen und Interpretationen

Wie Menschen Ordnung, Zeit und Geschichte verstanden und erzählten

ˁAin-Samiya-Becher Publikationen
Die einzigartigen Bildszenen auf dem Silberbecher aus ˁAin Samiya im Jordantal (ca. 2300 v. Chr.) werden erstmals als älteste bildliche Darstellung der Schöpfungsgeschichte interpretiert. Sie visualisieren demnach den Übergang vom Chaos zur kosmischen Ordnung.

Felsheiligtum Yazılıkaya | Publikationen
Das hethitische Felsheiligtum Yazılıkaya bei Hattusa zeigt keine willkürlichen Prozessionen von Gottheiten, sondern ein präzise konzipiertes Abbild des Kosmos: Die Reliefs ordnen Himmel, Erde und Unterwelt nach astronomischen Zyklen und machen so Zeit, kosmische Ordnung und Erneuerung fassbar.

Kosmologie | Publikationen
Beschreibungen von Strukturen und Zyklen des Kosmos, wie sie in Yazılıkaya abgebildet sind, lassen sich über Jahrtausende zurückverfolgen: Von mesopotamischen Mythen über bildliche Darstellungen der Hethiter bis hin zu Platons Timaios weisen Schöpfungsgeschichten und ihre Darstellungen gemeinsame Elemente auf.

Platons Timaios und Kritias | Publikationen
Platons Bericht über Atlantis kann als Erinnerung an reale Ereignisse in der Spätbronzezeit gelesen werden, die durch wenige Übersetzungsfehler leicht verzerrt ist. Ägyptische Schreiber hielten Naturkatastrophen, Kriege und den Zusammenbruch mykenischer Machtzentren fest.

Erkenntnistheorie | Publikationen
Archäologisches Verständnis entsteht nicht in einem Vakuum, sondern wird durch politische Interessen und kulturelle Machtverhältnisse geformt. Die einseitige Konzentration auf Griechenland und Rom hat die Sicht auf die anatolischen Kulturen verzerrt und alternative Erklärungsmodelle verdrängt.

B | Kulturen und Machtzentren

Gesellschaften, Netzwerke und politische Geografie der Bronzezeit

Luwische Kultur | Publikationen
Westanatolien war in der Bronzezeit kein Niemandsland, sondern das Zentrum einer unabhängigen, vielfältigen Kultur. Die luwische Zivilisation umfasste Hunderte von Siedlungen, bestimmte die Rohstoffproduktion und den Handel und entwickelte eigene Schriftsysteme und Machtstrukturen.

Frühe Schriftsysteme | Publikationen
Lange vor dem griechischen Alphabet entstanden in Westkleinasien sowie auf Kreta und Zypern komplexe Schriftsysteme. Sie wurden genutzt, um Herrschaftsverhältnisse zu regeln, Territorien zu verwalten und kulturelle Zugehörigkeit sichtbar zu machen.

Seevölker | Publikationen
Die sogenannten Seevölker waren Teil eines weitreichenden Konflikts um Handelswege, Rohstoffe und politische Vorherrschaft, der um 1200 v. Chr. die Machtstrukturen im östlichen Mittelmeerraum grundlegend veränderte.

James Mellaart | Publikationen
Der britische Prähistoriker und Archäologe James Mellaart prägte das Bild der anatolischen Frühgeschichte wie kaum ein anderer – und beschädigte es gleichzeitig nachhaltig. Neben bahnbrechenden Entdeckungen kamen gefälschte Texte und Zeichnungen ans Licht, was grundsätzliche Fragen zu Mellaarts wissenschaftlicher Integrität aufwirft.

C | Landschaften und Lebensräume

Orte als Prozesse: Umwelt, Besiedlung und Nutzung im Wandel

Dimini | Publikationen
Der Aufstieg und Niedergang der griechischen Dimini Magoula während der Jungsteinzeit folgte dem Rhythmus einer sich verändernden Küstenlandschaft: Als der Meeresspiegel stieg und Bodenerosion für Sedimenteintrag in die Bucht von Volos sorgte, verlagerte sich das wirtschaftliche und soziale Zentrum Schritt für Schritt meerwärts.

Argolis | Publikationen
Die Landschaft der Argolis prägte die Geschichte ihrer Siedlungen stärker als bisher angenommen: Veränderungen der Küstenlinien, der fruchtbaren Böden und der Wasserläufe bestimmten, wo Orte wie Mykene, Tiryns und Asine entstanden, gediehen oder wieder verschwanden.

Lerna | Publikationen
Hinter dem Mythos der Lernäischen Hydra verbirgt sich eine reale Landschaft: Ein großer Süßwassersee prägte jahrtausendelang die Siedlung Lerna. Er begünstigte die Landwirtschaft und den Handel, machte die Menschen in der Region aber auch anfällig für Krankheiten und Naturkatastrophen.

Mykene | Publikationen
Der Aufstieg von Mykene lässt sich durch dessen Kontrolle über sein Umland erklären: Landwirtschaftliche Ressourcen, Straßennetze und natürliche Hindernisse machten die Burg zu einem regionalen Machtzentrum.

Tiryns | Publikationen
Die mykenische Burganlage von Tiryns war ein dynamisches Machtzentrum in einer sich schnell verändernden Landschaft. Küstenlinienverschiebungen, Überschwemmungen und gezielte Wasserbauprojekte wirkten sich auf den Standort des Ortes und dessen Expansion aus.

Berbati | Publikationen
Das Berbati-Tal entwickelte sich in Form einer ausbalancierten Wirtschafts- und Siedlungsstruktur. Geologie, fruchtbare Böden und Transportwege gaben über Jahrtausende hinweg den Rahmen vor, in dem Landwirtschaft, Viehzucht und die Kontrolle von Pässen möglich waren.

Asine | Publikationen
Asine war in prähistorischer Zeit eine Insel. Schwankungen des Meeresspiegels, die Bildung von Lagunen und massive Sedimentation bestimmten, wann der Ort als Hafen, als Rückzugsort oder als befestigte Burg genutzt werden konnte.

Pylos | Publikationen
Wo heute Lagunen und Felder liegen, kontrollierten mykenische Ingenieure einst Wasser, Schiffe und Sedimente: Die Rekonstruktion der Landschaft zeigt, dass der Palast des Nestor über einen künstlich angelegten Hafen und ein für seine Zeit weit fortgeschrittenes Sauberwasserspülungssystem verfügte.

Böotien | Publikationen
Über Jahrtausende hinweg erwies sich Böotien als sensibles Grenzgebiet zwischen Bergen und Ebenen. Siedlungen entstanden dort, wo fruchtbarer Boden, Wasser und Transportwege Stabilität ermöglichten; sie verschwanden, sobald sich die ökologischen oder politischen Bedingungen änderten.

Gournia | Publikationen
Gournia auf Kreta lag im Zentrum eines gut vernetzten Küstengebiets: Die geschützte Mirabello-Bucht verband die Siedlung, den Hafen und das Hinterland zu einem Knotenpunkt, an dem jahrtausendelang Handel, Landwirtschaft und Seefahrt zusammenkamen.

Troja | Publikationen
Wer Troja nur als befestigten Königssitz betrachtet, übersieht die wahre Leistung ihrer Bewohner: In der Flussaue vor der Zitadelle errichteten sie offenbar ein komplexes System aus Wasserbauwerken, Hafenanlagen und Treidelpfaden, um den Schiffen die Passage durch eine der gefährlichsten Meerengen der damaligen Zeit zu ermöglichen.

Zypern | Publikationen
Auf Zypern begünstigten die natürliche Umgebung, Rohstoffe und Transportwege ein außergewöhnlich dynamisches Siedlungsgebiet. Bergbau und Handelsbeziehungen bestimmten, wann Teilregionen aufstiegen oder wieder an Bedeutung verloren.

Tunesien | Publikationen
Was heute als trockene Randzone erscheint, war in römischer Zeit ein hochproduktives Gebiet: Im Norden Tunesiens wechselten sich Phasen intensiver Nutzung mit Perioden ökologischer Übernutzung ab, wodurch sich die Siedlungsstrukturen ständig neu organisieren mussten.

Ägypten | Publikationen
Zwischen dem Nil und der Wüste entwickelte sich eine fragile Kulturlandschaft, in der sich vordynastische Siedlungen mit Veränderungen der Umwelt, Ressourcenknappheit und Fernhandel arrangieren mussten – Entwicklungen, aus denen später die staatlichen Strukturen Ägyptens hervorgingen.

D | Umwelt und Methoden

Natürliche Prozesse und Methoden zu ihrer Rekonstruktion

Bodenerosion | Publikationen
Am Ende der letzten Eiszeit waren die Böden Griechenlands gefestigter als je zuvor. Ihre massive Zerstörung begann erst mit dem Eingreifen des Menschen: Entwaldung, Landwirtschaft und Übernutzung lösten Erosionsprozesse aus, deren Folgen die Landschaft bis heute prägen.

Erdbeben | Publikationen
Im Mittelmeerraum zwangen Erdbeben während der Frühgeschichte ganze Regionen zu einer grundlegenden Neuordnung. Sie veränderten Wasserläufe und führten zu Überschwemmungen, wodurch sich die Küstenlinien dauerhaft verlagerten.

Naturkatastrophen | Publikationen
Naturkatastrophen galten lange Zeit als Hauptursache für den Zusammenbruch der bronzezeitlichen Gesellschaften. Eine systematische Überprüfung zeigt jedoch, dass weder Erdbeben, Vulkanausbrüche noch Klimaschwankungen die tiefgreifenden politischen und kulturellen Umwälzungen um 1200 v. Chr. erklären können. Ihre Auswirkungen waren lokal und kurzfristig und verursachten keineswegs den Untergang ganzer Kulturen.

Schwankungen des Meeresspiegels | Publikationen
Der Meeresspiegel und damit auch die Küstenlinien folgen einem rhythmischen Muster von Anstieg und Absinken. Bohrungen und geophysikalische Messungen zeigen, dass selbst geringfügige Schwankungen des Meeresspiegels ganze Landschaften neu ordneten und so immer wieder neue natürliche und wirtschaftliche Lebensräume schufen.

Veränderungen der Küstenlinie | Publikationen
Zahlreiche einstige Hafenstädte liegen heute weit im Landesinneren, weil sich die Küstenlinien kontinuierlich verlagerten: Sedimentation, Flussdeltas und Tektonik haben die Grenze zwischen Land und Meer über Generationen hinweg verändert.

Geoarchäologie | Publikationen
Geologische Prozesse prägten zu jedem Zeitpunkt die Siedlungsmuster der Menschheit. Mithilfe der Analyse von Gesteinsschichten, Reliefformen, Bodenbeschaffenheit und Sedimenten rekonstruiert die Geoarchäologie frühere Landschaften und ihre Transformation durch natürliche Kräfte oder menschliche Eingriffe. Daraus lässt sich ableiten, wie sich Siedlungen, Häfen, Wassersysteme und ganze Kulturen innerhalb ihres Lebensraums entwickelten und wie sie auf die Veränderungen der Landschaft reagierten.

Mikropaläontologie | Publikationen
Winzige fossile Organismen liefern Hinweise auf vergangene Landschaften. Die Analyse mikroskopisch kleiner Muschelkrebse aus Bohrproben ermöglicht es, längst verschwundene Seen, Sümpfe und Küstenlinien zu rekonstruieren.

Fernerkundung | Publikationen
Satellitenbilder und Luftaufnahmen enthüllen, was im Untergrund verborgen liegt: Ehemalige Küstenlinien, verlandete Häfen und versunkene Siedlungsstrukturen lassen sich aus der Luft erkunden, wodurch unser Verständnis früherer Landschaften grundlegend verändert wird.

Marine Sedimentologie | Publikationen
Der Meeresboden birgt ein fast vollständiges Archiv der Erdgeschichte: Schicht für Schicht zeichnen Sedimente über Zehntausende von Jahren klimatische Veränderungen, Naturereignisse und menschliche Eingriffe auf.

E | Gesellschaft und Kommunikation

Wie Gesellschaften sich entwickeln und archäologisches Wissen sichtbar wird

Ausstellungsgestaltung | Publikationen
Archäologie endet nicht mit Objekten in der Sammlung oder Argumenten in einem Zeitschriftenartikel: Innovative Ausstellungstechnik stellt vergangene Welten so dar, dass die Besucher nicht etwa nur isolierte Objekte sehen, sondern Zusammenhänge erkennen – und damit Geschichte auch als Prozess verstehen.

Technikgeschichte | Publikationen
Technischer Fortschritt entsteht dort, wo Menschen, Wissen und handwerkliche Fertigkeiten zusammentreffen. Frühe urbane Zentren im prähistorischen China wirkten als Katalysatoren, wo sich verschiedene Technologien gegenseitig befruchteten und dadurch neue Methoden hervorbrachten – von Wasserbau über Metallurgie bis hin zu Schrift und Verwaltung.

Sozialanthropologie | Publikationen
Die digitale Gesellschaft gilt als Errungenschaft und Förderer der Demokratie. In Wirklichkeit zementiert sie jedoch bestehende Machtstrukturen: Mit hohen Geldsummen werden Themen gefestigt und Debatten gesteuert, während andere Anliegen breiter Gesellschaftsschichten gezielt ausgeblendet werden.

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