Rezeption
Die Kombination von natur- und sozialwissenschaftlichen Methoden, die Eberhard Zanggers Forschung auszeichnet, löst in der Fachwelt unterschiedliche Reaktionen aus. Während viele Wissenschaftler den erweiterten methodischen Ansatz begrüßen, äußern andere Vorbehalte gegenüber der Überschreitung von disziplinären Grenzen.
Eberhard Zanggers erstes populärwissenschaftliches Buch, The Flood from Heaven – Deciphering the Legend of Atlantis, erschien 1992 zeitgleich in mehreren Sprachen und stieß auf breite internationale Resonanz. Die folgenden Kommentare geben einen Einblick in die Reaktionen.
Eberhard Zangger hat eine alternative und scharfsinnige These: Für ihn ist Atlantis gleichbedeutend mit Troja. Als Geomorphologe ist er in der Lage zu argumentieren, dass sich die Topografie der Stätte Hissarlik, die von Heinrich Schliemann ausgegraben und als Troja identifiziert wurde, seit der Zeit des Trojanischen Krieges vor etwa 3000 Jahren erheblich verändert hat. ... Dieses Buch ist gut geschrieben. Die relevanten Texte von Platon sind vollständig abgedruckt und werden sorgfältig diskutiert. Die Argumente, die Zangger vorbringt, sind nicht übertrieben. In gewisser Weise sind sie vielleicht sogar untertrieben. ... Anders als andere Atlantis-Bücher ist dieses ein vollkommen vernünftiges und fundiertes Werk, geschrieben von einem kompetenten Wissenschaftler.
Professor Lord Colin Renfrew, Universität Cambridge
(Rezension in Nature, Band 356, 16. April 1992)
Dr. Zangger hat sich intensiv mit den Texten Platons auseinandergesetzt. ... Als Naturwissenschaftler verfügt er über eine Reihe von Beweisen, die auf soliden Fakten beruhen. ... Anstatt eine „richtige Lösung“ für das Problem Atlantis vorzuschlagen oder überhaupt für die Existenz einer solchen Lösung zu argumentieren, plädiert er für die Freiheit, neue Denkansätze zu verfolgen.
Professor Anthony Snodgrass, Universität Cambridge
(Vorwort zu Atlantis – Eine Legende wird entziffert)
In diesem, seinem zweiten Buch über Troia stellt Eberhard Zangger die archäologische Gemeinde vor die Herausforderung, gemeinsam eine Revolution in der Betrachtungsweise der späten Frühgeschichte des östlichen Mittelmeerraumes zu vollziehen. Wer mit der Geschichte der echten Wissenschaften vertraut ist, könnte eine derart radikale Art des Umdenkens durchaus als Paradigmenwechsel bezeichnen. … Eberhard Zangger erweist meines Erachtens der mediterranen Frühgeschichte einen gewaltigen Dienst, wenn er die Aufmerksamkeit auf die potentielle Bedeutung Westanatoliens in den letzten, international bedeutenden Phasen der Bronzezeit richtet. Seine umfassende Rekonstruktion der Ereignisse ist kühn, einfallsreich und herausfordernd sowie immer auch klar, spannend, und intellektuell stimulierend. Beim Lesen kommt man nicht umhin, Dutzende von neuen Wegen zu erkennen, die weiter zu beschreiten sich lohnen würde. Die Zeit wird zeigen, ob sich die akademische Gemeinschaft von seiner eigenen Hypothese mit ihren vielen Teilaspekten überzeugen lassen wird. Er, so stelle ich mir vor, wird erfreut sein, wenn dieses Buch eine Diskussion anregt, die zu neuen, problemorientierten Geländearbeiten führt, von der Art, wie er sie selbst so oft gestaltet hat.
Professor Jack L. Davis, Universität von Cincinnati
(Vorwort zu Ein neuer Kampf um Troia)
Eberhard Zanggers Analyse der Atlantis-Legende ist umfassend, aktuell und einfach unterhaltsam zu lesen. ... Wichtiger als ein neues Wann und Wo für Atlantis ist Zanggers Bestreben, die verfügbaren Beweise ganzheitlichen zu betrachten. ... Als Geoarchäologe mit besonderer Expertise in Geomorphologie ist Zangger besonders qualifiziert, Platons Beschreibungen des Untergangs von Atlantis zu kommentieren. ... Die Argumente, die er aus einer genauen Lektüre von Platons Text und einer gründlichen Auseinandersetzung mit Platons Motivation für die Erzählung dieser Geschichte ableitet, sind in ihrer Gesamtheit überzeugend und sprechen für die historische Wahrheit der Legende. Zu Zanggers ungewöhnlicher Kombination aus wissenschaftlichen Kompetenzen und Interessen kommt noch seine fundierte Kenntnis der gesamten relevanten Literatur hinzu.
Professor Jeremy Rutter, Dartmouth College
(Editor's Choice, The History Book Club)
Die Forschungen des Autors werden zweifellos denselben Einfluss auf die akademische Welt haben wie die von Schliemann vor einem Jahrhundert. Sie werden eine ganze Generation von Archäologen dazu veranlassen, ihre Rekonstruktion der frühen ägäischen Welt zu überdenken.
Professor Curtis Runnels, Boston University
Ein ausgezeichnetes und beeindruckendes wissenschaftliches Werk und obendrein eine raffinierte archäologische Detektivarbeit.
Professor Bernard Knapp, University of Glasgow
Genial und absolut plausibel.
Professor Christopher Mee, Universität Liverpool
Es steht außer Frage, dass Zanggers Ansatz äußerst scharfsinnig ist.
Professor Edmund Bloedow, Universität Ottawa
Ein brillantes intellektuelles Feuerwerk.
Professor Günther Wagner, Universität Heidelberg
The Future of the Past ist ein sprachgewandter Diskurs über die wechselseitige Entwicklung der Menschheit und ihrer natürlichen Umwelt.
Professor Tjeerd H. van Andel, Universität Cambridge
Darüber hinaus erschienen Dutzende von substanziellen Autorenbeiträgen in der internationalen Presse, darunter ein umfangreicher und äußerst positiver siebenseitiger Beitrag – und später auch eine Titelgeschichte – im Spiegel.
Übergang zu einer Kontroverse
Aus der überwiegend positiven, teilweise auch kritischen Rezeption von Zanggers Publikationen zu Atlantis und Troja entwickelte sich eine wissenschaftliche Debatte, die sich in den 1990er und frühen 2000er Jahren zunehmend zuspitzte. Diese Kontroverse prägt bis heute die Wahrnehmung.
Charles Brian Rose, Professor an der University of Pennsylvania und Co-Direktor der Troja-Ausgrabungen, stellte rückblickend fest, dass „Diskussionen über Atlantis und Platon in den restlichen 1990er Jahren ein fester Bestandteil unserer Gespräche in Troja waren“. Der Grabungsleiter Manfred Korfmann habe Zanggers unabhängige Interpretation von Troja – die außerhalb einer formellen Einbindung in das Ausgrabungsteam entstand – jedoch als persönliche Kränkung empfunden. In der Folge erschienen mehrere kritische Besprechungen von Zanggers Publikationen, überwiegend verfasst von Wissenschaftlern, die dem Tübinger Troja-Projekt eng verbunden waren.
Mit der Eröffnung der großen Troja-Ausstellung in Deutschland im Jahr 2001 verlagerte sich der Schwerpunkt der Debatte von Zanggers Arbeiten hin zu Korfmanns eigenen Rekonstruktionen von Troja. Viele Archäologen und Altertumswissenschaftler lehnten diese ab, weil sie methodisch unzureichend begründet seien. Die Auseinandersetzung eskalierte zunehmend, bis im Februar 2002 ein zweitägiges wissenschaftliches Kolloquium in Tübingen zu diesem Thema stattfand. Der Altertumswissenschaftler Frank Kolb arbeitete die Kontroverse später in seinem Buch Tatort Troia auf.